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Klappentext
Die Welt in den nächsten 200 Jahren: Virtuelle
Welten - anfangs künstlich induziert über
äußere Reizung von Seh-, Hör-
und Tastsinn, später innerlich abrufbar per
implantiertem Neurochip, ergängt um Geruch-
und Geschmacksinn - gaukeln dem Menschen sexuelle
Erlebnisse vor, wie er sich diese bisher nur in
seinen Fantasien ausmalen konnte.
So
wird der Cyberspace zum Tummelplatz der Sehnsüchte,
zur Spielwiese der Lüste, zur Bühne
der Getriebenen. Für die einen ist er die
Chance, einander zu finden und zu lieben, für
die anderen die Möglichkeit, aus der Realität
zu fliehen, für wieder andere die Gelegenheit
zu kriminellen Übergriffen.
Auch
künstliche Intelligenzen werden in dieses
Karusell von Sex und Liebe einbezogen - und selbst
das Leben nach dem Tode eröffnet neue Visionen
von ungeahntem Ausmass. Die Entfernung des Menschen
von den realen, materiellen Dingen wirft die Frage
auf, worin unsere Existenz besteht - und wo unsere
Zukunft liegt.
Rezension
*****
Auf
250 Seiten konfrontiert uns Mommers mit 10 Geschichten,
die sich mit der wichtigsten Nebensache der Welt
beschäftigen: Sex. Und so trägt die
Sammlung dann auch ganz plakativ den Titel "Sex-Love-Cyberspace".
Insofern eine interessante Sache und ein lobenswertes
Unterfangen, da gezielt ein nicht unerheblicher
Aspekt des menschlichen Zusammenseins unter die
Lupe genommen und chronologisch bis ins Jahr 2200
extrapoliert wird.
Dabei
lesen sich die Geschichten des Autors, der nach
36 jähriger Kunstpause wieder unter der schreibenen
Zunft weilt, angenehm und flüssig. Beginnend
mit Teenager-Gefummel auf einer Geburtstagsparty
im Jahre 2030 ("Safer Sex") bis hin
zur völlig voneinander entfremdeten Gesellschaft
von 2200 ("Wir sind doch keine Wilden")
zeichnet Mommers das Bild einer Gesellschaft,
die sich immer weiter in die virtuelle Realität
zurückzieht, bis schlichter köperlicher
Kontakt, eine einfache Berührung, als Affront
gewertet werden.
Dabei
bemüht der Autor ein breites Spektrum an
Motiven, um den Leser zu gewinnen: in "Bermuda-Dreieck"
etwa, werden die Besucher eines virtuellen Mystery
Parks durch rätselhafte Entführungen
und sexuellen Missbrauch von Touristinnen erschreckt.
Ab und an fühlt man sich dabei angenehm an
Williams' "Otherland" erinnert. "Spinne
im Netz" hingegen ist ein schneller Thriller,
in dem Männer im virtuellen Raum einer Triebtäterin
zum Opfer fallen.
Den
Geschichten ist ein Glossar angehängt, der
Begriffe von "Afterlife" bis "Worldnet"
erklärt, aber nicht unbedingt nötig
gewesen wäre. Im Zusammenhang erklären
sich die Begrifflichkeiten und Wortschöpfungen
eigentlich von selbst.
Sicher
ist es nicht einfach in Zusammenhang mit der Überschrift
Sex-Love-Cyberspace den richtigen Ton zu finden.
Und so schägt Mommers einen Mittelweg aus
geschliffenen Sätzen und dosiert eingeflochtenen
"Vulgaritäten" ein. Hin und wieder
jedoch wäre eine "rotzigere" Schreibweise
der Handlung angemessener gewesen und würde
vermutlich auch besser mit der Umschlagsgestaltung
harmonieren, die mehr verspricht, oder anders
ausgedrückt: über das Ziel hinaus schießt.
Weniger wäre hier mehr gewesen.
Die
technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen,
die Mommers nachzeichnet und immerhin einen Zeitraum
von 170 Jahren umfassen, verlaufen bei näherer
Betrachtung zu moderat. Die Unterschiede werden
zwar deutlich herausgearbeitet, bedenkt man aber
den rasanten Fortschritt der letzten hundert Jahre,
hätte ein wenig mehr Mut zur Spekulation
nicht geschadet. Das aber nur als Fußnote.
Insgesamt
ist Sex-Love-Cyberspace eine sehr lesenswerte
Sammlung von Science Fiction-Geschichten und hervoragend
als Einstiegsliteratur für am Genre interessierte
Leser geeignet und dürfte auch eine Brücke
hin zur weiblichen Leserschaft schlagen. Wer gerne
das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden
und vor dem Einschlafen weder auf SF, noch auf
Erotik verzichten möchte, kann nichts falsch
machen. Und bei aller kritischen Analyse aus der
Sicht eines SF-Freundes: anregend sind die Erzählungen
allemal.
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